Weiden als Wildeinstand und Verbissgehölz

Wie schnell eine Pachtperiode verstreichen kann, erkennt der Jäger am deutlichsten an der Lebensraumgestaltung. Nicht selten scheuen deshalb viele davor zurück, bei der intensiven Investition von Zeit, Arbeit und finanziellen Mitteln sowie so manchem bürokratischen Aufwand diesbezüglich Hand anzulegen. Dabei weiß aber auch jeder, dass sich heute in den ausgeräumten Revieren ein nutzbarer Wildbestand nur halten kann, wenn entsprechende Deckung in der vegetationsarmen Zeit vorhanden ist. Weide ist nicht gleich Weide. Es gibt viele Arten, doch nicht alle eignen sich für jagdliche Zielsetzungen. Mit ein bisschen Fachwissen, Verhandlungsgeschick bei den Flächen und Arbeitseinsatz, der obendrein noch allen Spaß macht, sind im Handumdrehen wertvolle Lebensräume geschaffen, deren Wert man noch in der ersten Pachtperiode sieht. Und das quasi zum Nulltarif. 

Jeder Jäger in einem Niederwildrevier weiß, wie wertvoll deckungsreiche Rückzugsinseln für viele Arten sind. Aber jeder, der sich schon mit der Neuanlage von Hecken, Remisen oder Wasserbiotopen beschäftigt hat, weiß, dass sie neben viel Arbeit an Planung, Verhandlungsgeschick, Behördengängen auch einen finanziellen Rahmen nach sich ziehen. Sträucher in einer gewissen Größe, die keiner ständigen Pflege mehr bedürfen, sind meist unter zwei Euro pro Stück nicht mehr zu bekommen. Bei einem Pflanzverband von 1×1 kann sich jeder ausrechnen, welche Investition vom Jäger zu tragen ist. Förderanträge sind oftmals hinfällig, weil viele von ihnen an den Besitz von Grund und Boden oder die Existenz eines landwirtschaftlichen Betriebes gebunden sind. Zudem sind meist Schutzzäunungen notwendig, damit sich die Ausfälle in Grenzen halten. Teure Nachbesserungen sind häufig in den ersten Jahren obligatorisch. Und nicht selten benötigt das verwendete Pflanzgut schon fast eine Pachtperiode, bis sich erste Erfolge bemerkbar machen. Ganz abgesehen von den regelmäßigen Pflegemaßnahmen, die ab einer gewissen Größe anfallen.  

Eine Möglichkeit, einen schnellen Erfolg zu sehen, ist es, im ersten Schritt der Lebensraumgestaltung auf die schnellwüchsigen Weiden zurückzugreifen. Um nicht Schiffbruch zu erleiden, muss man wissen, dass alle Weiden frische bis feuchte Böden benötigen. Deshalb sehen wir uns nach geeigneten Plätzen um. Jedes Revier hat irgendwo von der Landwirtschaft ungenutzte feuchte Stellen, Uferbereiche oder Ödlandflecken, die man im Handumdrehen mit wenigen Helfern mit Stecklingen in kurzer Zeit in ein dichtes und undurchdringliches Gebüsch umwandeln kann. Ein aufklärendes Gespräch mit den Landwirten ergibt alsbald Klarheit darüber, ob unsere Idee auf Interesse stößt. Solange wir kein wertvolles Ackerland verwenden wollen oder unsere Pflanzung Arbeiten, wie die Reinigung von Gräben oder Leitungen behindert, werden wir erfolgreich sein. Doch bevor wir uns in die Arbeit stürzen, gilt es ein paar wichtige Details über die unterschiedlichen Weidenarten, ihren Wert für das Wild, die Gewinnung von Weidenstecklingen und die richtige Ausbringung in Erfahrung zu bringen. 

Es gibt bei den zahlreichen Weidenarten zwei große Gruppen. Neben den Baumweiden sind das insbesondere Strauchweiden. Interessant zu wissen ist aber auch, dass es neben den einzelnen Weidenarten häufig Hybride untereinander gibt, was aber für unsere Ansprüche eher zweitrangig bleibt. 


© Wildmeister Matthias Meyer | Insbesondere der Fasan profitiert von angelegten Weidenhegern und Strauchweidendickungen, die mit Schilfflächen und landwirtschaftlichen Flächen auf kleinstem Raum abwechseln.

Stellen wir den Anspruch, auf unseren Flächen ausschließlich wertvolle Deckung für das Niederwild, allen voran dem Fasan zu schaffen, interessieren uns ausschließlich Strauchweiden. Neben eher kriechenden Arten gibt es auch noch welche mit weit ausladenden Ruten, die in wenigen Jahren mehrere Meter erreichen, letztendlich aber nur mäßig hoch werden. Diese langen Ruten eignen sich aber sehr gut dafür, sie bogenförmig herunterzubiegen und mit einem Erdanker und Spaten erneut im Boden zu verankern. Allen Weiden gemein ist, dass aus den nach obenstehenden Knospen dann keine Blätter wachsen, sondern sich neue Ruten entwickeln. So lässt sich in wenigen Jahren ein wahres Tunnelwerk konstruieren, dass allen Wildtieren Schutz nach oben bietet, ohne das rasche Fortbewegen am Boden zu beeinträchtigen. Selbst Rehwild fühlt sich in diesen sogenannten Weidenhegern sicher. Der große Vorteil von Strauchweiden ist aber derjenige, dass neben der Pflanzung über Stecklinge und wenn gewünscht die tunnelartige Verzweigung über Ableger/Absenker, keinerlei spätere Pflegemaßnahmen mehr anfallen.  

Artenkenntnis oder einfach auch nur Augen auf im Revier

Zunächst einmal verschaffen wir uns einige Informationen über die regional vertretenden Weidenarten, welche Standortansprüche sie haben und wo sie wachsen. Bei den nächsten Reviergängen heißt es nun Augen auf und nach einer ersten Bestimmung der vorkommenden Weiden betrachten wir sie aus der Nähe.  


© Wildmeister Matthias Meyer | Baumweiden haben für die Niederwildhege keinerlei Bedeutung. Verpasst der Jäger, sie regelmäßig zu stutzen, werden sie zur Ansitzwarte und Brutbaum von Greifvögeln und Krähen. In Bereichen des Wiesenbrüterschutzes sind sie mehr als kontraproduktiv.

Obwohl es eine Vielzahl von Weiden gibt, sind sie zumindest als Äsungspflanze nicht gleichsam beim Wild beliebt. Strauchweiden stehen als Äsungspflanze ebenfalls nicht ganz oben auf der Menükarte. Doch das braucht es auch nicht. Ihren hochgeschätzten Nutzen sehen wir in der schnell verfügbaren und Jahre andauernden Deckungsfunktion. Suchen wir hingegen nach Weiden, die als Äsungspflanze/Verbissgehölz punkten sollen, müssen wir insbesondere die jährigen Triebe besonders genau anschauen. Die einjährigen etwa meterlangen Ruten sind geschmeidig biegsam und haben neben einer zarten Spiegelrinde immer eine gerade auslaufende Spitze. Bei den zweijährigen Trieben finden wir hingegen neben einem fast doppelt so dicken Triebdurchmesser immer eine bereits verästelte Spitze. Wollen wir also ein Verbissgehölz anlegen, nutzen wir zur Stecklingsgewinnung nur die verbissenen oder geschälten Arten. Finden wir vor Ort weder die als Niederwilddeckung angestrebten Strauchweiden noch die vom Wild als Äsung bevorzugten Arten für ein Verbissgehölz, sollten wir uns in der näheren und weiteren Umgebung umsehen oder herumfragen. Für die spätere Stecklingsgewinnung sollten wir aber auf jeden Fall beim Besitzer nachfragen. In der Regel gibt es keine Einwände zu befürchten, denn vielfach wird die Weide noch als forstliches Unkraut betrachtet und nicht als wertschöpfende Forstpflanze. 

Die richtige Gewinnung von Weidenstecklingen

Man kann zwar auch über die Baumschule an bereits bewurzelte Stecklinge zum Auspflanzen kommen, doch kann man sich mit der richtigen Ernte von Steckhölzern viel Arbeit bei der Ausbringung ins Revier und noch mehr Geld sparen. Weidenstecklinge werden grundsätzlich im Winter während der Saftruhe geschnitten und dann in einem sandigen Gemisch eingeschlagen. Für die sofortige Verwendung im Revier können wir aber auch noch das enge Zeitfenster am Ende des Winters bis ins zeitige Frühjahr nutzen, solange die Knospen noch nicht treiben, aber der Boden bereits frostfrei ist. Als Steckhölzer eignen sich die ein- bis zweijährigen finger- bis daumendicke langen Ruten. Bei ihnen haben wir aufgrund der noch geringen Verholzung fast eine Anwachsgarantie. Mit einer scharfen Rosenschere schneiden wir die langen Triebe aus dem Weidenbusch.  

Wer nachhaltig Weidenstecklinge für die Lebensraumverbesserung ernten will, kann auch mal gut oberarmdicke Weidenäste so anschneiden und fällen, dass der Ast über eine Rindenlasche mit dem Stamm verbunden bleibt. So wachsen ab dem nächsten Jahr aus fast allen nach oben zeigenden Knospen die benötigten Langruten.  


© Wildmeister Matthias Meyer | Weiden wachsen schnell. Hin und wieder sind Pflegeeinsätze nötig, um den Deckungsgrad für die Wildtiere noch zu erhöhen und den Lebensraum attraktiver zu gestalten.

Die kleinen, unscheinbaren Knospen zeigen einem später nicht unbedingt an, wo an dem geschnittenen Steckholz oben und unten ist. Da es aber unbedingt richtig herum gesteckt werden muss, um anzutreiben, wenden wir einen kleinen Trick an. So schneiden wir die Langrute unten immer schräg an und kappen sie nach 50-80 Zentimetern an der oberen Seite immer gerade. Jetzt schneiden wir die nächsten Zentimeter gleich wieder schräg und oben wieder gerade. Sinnvollerweise legen wir die geschnittenen Stecklinge gleich mit der schräg geschnittenen Spitze in einen Eimer. Die Schrägung ist nicht nur wegen der Kennung, sondern erleichtert auch das spätere Eindrücken des Stecklings in den weichen, feuchten Boden.  

Meine ersten Steckhölzer habe ich sogar etwas länger geschnitten und sie dann senkrecht so weit in den Boden gesteckt, wie es ging. Wie sich herausstellte, war diese Methode mit einigen Rückschlägen und Ausfällen behaftet. Zum einen war das Eindrücken mühselig und oft nicht ausreichend tief. Zum anderen knickte durch den hohen Kraftaufwand manch Langrute ab. Die Bewurzelung war so meist nicht optimal und die langen herausstehenden Ruten luden die Rehböcke geradezu ein, meine angelegte Stecklingsfläche zu fegen, ja sogar die Ruten ganz herauszureißen. Mittlerweile habe ich die Länge der Steckhölzer auf 50 Zentimeter reduziert und stecke sie schräg im Winkel von etwa 30° in den weichen Boden. Lediglich zehn Zentimeter schauen so noch heraus. Aus den zahlreichen Knospen, die sich unter der Erde befinden, entwickeln sich nun Wurzeln. Nur wenige oberirdische Knospen treiben aus und verbrauchen so viel weniger Wasser im ersten Jahr als die lange Rute.  


© Wildmeister Matthias Meyer | Aus den ein- bis zweijährigen Langruten schneiden wir unsere neuen Weidenstecklinge. Wenn wir die untere Seite schräg schneiden und die obere gerade, kann man sich beim richtigen Stecken nicht vertun. 

Die Stecklinge dürfen nur in den völlig frostfreien, feuchten Boden gesteckt werden. In den meisten Revieren des Flachlandes ist das etwa ab Mitte März möglich, in milden Wintern schon mitunter etwas früher. Unbedingt zu beachten ist, dass der Boden in der gesamten Anwachsphase eine beständige Grundfeuchte aufweisen muss. Wer im Revier befindliche Böschungen oder Erdwälle als Weidenhecken anlegen will, darf die Stecklinge nur an der Sohle des Erdwalls einbringen, sonst kann es in trockenen Frühjahren schnell passieren, dass in der Phase der Bewurzelung die Bodenfeuchte ausbleibt und die zarten Wurzeln absterben. Wird der Großteil des Stecklings in die Erde gesteckt und bleibt der Boden ausreichend feucht, erreichen wir eine fast einhundertprozentige Anwachsgarantie. Wer trotzdem sichergehen will, kann zusätzlich zwei bis drei Schabstriche im unteren Drittel der Rinde mit einem scharfen Messer setzen. Wichtig für die spätere Wasseraufnahme bleibt aber, dass hierbei das Kambium, die Wasser führende Schicht unter der Rinde nicht beschädigt werden darf. Das Einschieben des Stecklings in die Erde sollte möglichst in einem einzigen Schub erfolgen, damit wir einen guten Bodenschluss um den Steckling herum behalten. Der „Pflanzabstand“ sollte in etwa einen Meter ausmachen.  


© Wildmeister Matthias Meyer | Die Weidenstecklinge müssen bis auf etwa 15 Zentimeter im Winkel von 30° in den feuchten Boden gesteckt werden. So halten sich die Ausfälle gering und das Anwachsen ist quasi garantiert. 

In der frühen Vegetationsphase kontrollieren wir unsere Pflanzfläche, bevor der Graswuchs zu hoch wird. Im ersten Jahr können wir mit dem Austrieb von 30-50 Zentimeter langen Ruten rechnen. Wo die Bodenverhältnisse und insbesondere die konstante Bodenfeuchte optimal sind, werden die Ruten sogar einen Meter lang. Hat der Steckling eine ausreichende Bewurzelung erreicht, kann auch ein anfängliches Überwuchern von Gräsern oder Kräutern die weitere Entwicklung nicht wirklich hemmen. 

Neben der Verwendung der Strauchweiden als willkommene Niederwilddeckung und der Verwendung von gern beästen Weidensorten als Verbissgehölz, eignen sich Weiden neben Erlen zur Bepflanzung von Uferrändern. Beide Arten weichen nämlich nicht dem Wasser aus oder gehen nach einer saisonalen Überflutung ein wie andere Gehölze. Vielmehr sichern sie das Ufer von Gräben und Bächen mit ihrem Wurzelwerk gegen Unterspülung. 
Während Erlen je nach Breite des zu bepflanzenden Ufers ein- bis dreireihig als Baumschulpflanzen gesetzt werden, können Baumweiden als armdicke, etwa eineinhalb Meter lange Pfähle zu einem Drittel in den Boden gerammt werden. Dazu sägt man sich die „dicken Steckhölzer“ zurecht, spitzt sie unten an und schlägt sie behutsam mit dem Vorschlaghammer in den weichen Boden. Man muss aber aufpassen, dass der Pfahl beim Einschlagen nicht reißt. Man kann aber auch ein kleines Loch spatentief vorgraben, den Pfahl dann einschlagen und wieder anhäufeln. Die Anwachsquote ist zwar etwas geringer als bei dünnen Steckhölzern, da sie aus bereits älterem und verholztem Material bestehen, sollte aber immerhin bei siebzig Prozent zu finden sein. Bereits im ersten Jahr werden aus den Pfählen Bäume, die mehrfach austreiben. Wer die Ruten regelmäßig zurückschneidet, erhält nach Jahren durch die Überwallung der Austriebe so genannte Kopfweiden. Um den Prozess zu beschleunigen, setze ich bereits gleich nach dem Einschlagen des Pfahls obenauf eine Entenbruthilfe. Die drum herum wachsenden Ruten kann man dann jährlich herumflechten und oben wie zu einem Zopf zusammenbinden. Mit der Zeit verwachsen die Ruten, der Brutkorb wächst als Höhle natürlich mit ein. Bei Bedarf können auch die Erlen in regelmäßigen Abständen im Winter auf den Stock gesetzt werden. Das Reisig wird auf den Baumstümpfen abgelegt und verwächst mit den neuen Trieben zu einem dichten Ufergehölz, wo Enten und Gänse, aber auch viele Heckenbrüter eine sichere Nistmöglichkeit finden. 


© Wildmeister Matthias Meyer | Sind Gewässerufer mit Weiden schützend umsäumt, nutzen Wasservögel diese Bereiche lieber zur Jungenaufzucht als blanke Weiher. 

Setzt man die Uferbepflanzung mit Erlen und Weiden entlang von kleinen Fließgewässern wie Gräben auf der Südseite, entfällt alsbald das lästige Ausmähen der Uferbereiche. Begünstigt durch Sonne und Nährstoffeinträge vergrasen viele langsam fließenden Rinnsale. Ist die Uferbepflanzung einmal hoch und dicht genug, verhindert die Beschattung den Graswuchs und entlastet die Verantwortlichen Anrainer deutlich. Wo es allerdings zunehmend Biber an den Gewässern gibt, ergeben sich bald neue Probleme, da er entlang der bepflanzten Ufer nun ausreichend Futter und Baumaterial findet. Doch nicht nur Fraßschäden und Staudämme, sondern auch unterhöhlte Uferböschungen, Felder und Fahrwege sorgen nun für noch gravierendere Schäden.


© Wildmeister Matthias Meyer | Wo der Biber vorkommt, nimmt er die Weide nicht nur als begehrte Äsung an, sondern verwendet das Weichholz zum Bauen von Burgen und Staudämmen.

Bereits nach wenigen Jahren kann der Jäger stolz seine Lebensraumgestaltung betrachten. Er wird einen deutlichen Zuzug von unterschiedlichsten Tierarten bemerken – von jagdbaren, aber auch von Singvögeln, Kleinsäugern, Amphibien und Insekten. Denn nicht nur Deckung und Äsung für die „großen“ Tiere bietet die Weide. Für viele Bienen und andere Insekten ist sie eine begehrte Nahrungsquelle. Die Weidenkätzchen sind im zeitigen Frühjahr die ersten Nektarlieferanten. Mit der Weide Lebensräume für Wildtiere zu gestalten geht nicht nur augenblicklich schnell, sondern gelingt sogar zum Nulltarif. 

Weidenarten als bevorzugte Äsung:

  • Hanfweide
  • Englische Aschweide
  • Bandstockweide
  • Steinweide
  • Amerikanerweide
  • Kottenheider Weide 

Wenig verbissene Weiden: 

  • Grauweide
  • Purpurweide
  • Lorbeerweide
  • Gelbe Dotterweide
  • Silberweide 

 

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