Darstellung der Jagd in Social Media

Stellungnahme des Bundesverbandes Deutscher Berufsjäger e.V. zu aktuellen Themen und Darstellungen der Jagd in den sozialen Medien

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V. (BDB) beobachtet mit wachsender Sorge die Diskussion über die Jägerschaft in Deutschland. Insbesondere die zunehmende Verbreitung jagdlicher Inhalte in sozialen Medien führt zu einer Darstellung der Jagdausübung, die in Teilen weder den Grundsätzen der deutschen Waidgerechtigkeit noch den Anforderungen an Sicherheit, Fachlichkeit und Rechtskonformität entspricht. Gleichzeitig werden jagdpolitische Diskussionen zunehmend emotionalisiert und komplexe wildbiologische Zusammenhänge auf einfache technische oder gesetzgeberische Lösungen reduziert.

Jagd ist weder Bühne noch Selbstinszenierung. Sie ist ein verantwortungsvolles Handwerk und muss Bestandteil eines nachhaltigen, fachlich fundierten Wildtiermanagements sein. Sie erfordert umfassendes fachliches Wissen, praktische Erfahrung, umsichtiges Handeln, ethische Reife und die konsequente Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen.

Die in sozialen Medien zunehmend verbreiteten Darstellungen jagdlicher Praktiken spiegeln jedoch vielfach nicht den Qualitätsanspruch wider, den eine verantwortungsvolle Jagdausübung voraussetzt. Sicherheitsrelevante Aspekte wie eindeutige Zielansprache, gesicherter Kugelfang oder die vollständige Kontrolle des Umfeldes müssen jederzeit gewährleistet sein. Wo dieser Eindruck nicht entsteht, leidet nicht nur das Vertrauen der Öffentlichkeit, sondern auch die Glaubwürdigkeit der gesamten Jägerschaft.

Der BDB selbst ist weder Urheber noch trägt er zur Verbreitung solch medialer Inszenierungen bei. Berufsjägerinnen und Berufsjäger arbeiten in klar definierten Verantwortungsstrukturen, unterliegen fachlichen Standards und handeln nicht im Kontext digitaler Selbstdarstellung, sondern im Rahmen konkreter beruflicher Aufgaben.

Besondere Sensibilität ist insbesondere im Umgang mit Jagdhunden geboten. Die fachliche Bewertung von Arbeitsleistungen gehört in die Hände qualifizierter Ausbilder, Hundeführer und Verantwortlicher in den Revieren. Öffentliche Kommentierungen oder verkürzte Darstellungen komplexer jagdlicher Situationen werden weder der Leistung der Jagdhunde noch der Professionalität der Beteiligten gerecht. Jagdhunde sind unverzichtbare Partner in der Jagdausübung – ihr Einsatz verlangt Respekt, Sachkunde und verantwortungsvolle Führung.

Der BDB hat eine differenzierte Haltung zu moderner Wärmebild- und Zieltechnik: Entscheidend sind fachliche Kompetenz, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein der Nutzer, nicht die Technik selbst. Nachtziel- und Wärmebildtechnik können die Ansprechqualität verbessern und unter bestimmten Bedingungen die Sicherheit erhöhen, ersetzen jedoch weder jagdliche Erfahrung noch wildbiologische Kenntnisse.
Moderne Zieltechnik ist kein Allheilmittel für die Bestandsregulierung. Dauerhafte Erfolge erfordern großräumige, koordinierte und wildbiologisch abgestimmte Konzepte, einschließlich Jagdstrategie, Lebensraumbewertung, Ruhe- und Intervallplanung sowie revierübergreifende Zusammenarbeit in professionell geführten Hegegemeinschaften. Technik kann ein wertvolles, unterstützendes Werkzeug sein, niemals jedoch Ersatz für Strategie.

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger fordert verbindliche Qualitätsstandards für die Aus- und Weiterbildung, für die Schießfertigkeit, die Sicherheitsvorgaben und den verantwortungsvollen Umgang mit technischen Hilfsmitteln. Die Zukunft der Jagd darf nicht durch Reichweite oder mediale Aufmerksamkeit geprägt werden, sondern durch überprüfbare Fachlichkeit, Sicherheit und ethische Verlässlichkeit.

Der BDB sieht die Sicherung der Qualität zunächst in einer qualifizierten Ausbildung der Jagdscheinanwärter und in der kontinuierlichen Weiterbildung der Jägerschaft als zentralen Schlüssel für die Zukunft der Jagd. Derzeit fehlen bundeseinheitliche Mindeststandards für die Jägerprüfung, was zu erheblichen Unterschieden in Ausbildung, Praxisnähe und Kompetenzniveau führt. Der BDB fordert daher bundesweit einheitliche, verbindliche Standards, die sicherstellen, dass jagdliche Kompetenz auf hohem, nachvollziehbarem Niveau vermittelt wird. Dazu gehören verpflichtende Weiterbildungsmaßnahmen für alle Jagdscheininhaber, insbesondere praktische Schulungen und Praxisseminare z.B. in folgenden Themenbereichen:

  • Gesellschaftsjagd und Unfallverhütung
  • Wildbretverwertung und -hygiene sowie Wildkrankheiten
  • Biotop-, Arten- und Naturschutz
  • Waldbau, Waldökosystem und Landbau unter ökologischen Gesichtspunkten
  • Gestaltung von Wildtierlebensräumen
  • Jagdgebrauchshundewesen, inklusive Anschuss-Seminaren
  • Jagdliches Brauchtum, Waidgerechtigkeit und jagdliche Ethik
  • Regelmäßige Weiterbildung und Nachweise praktischer Fertigkeiten, insbesondere im sicheren und tierschutzgerechten Umgang mit Büchse, Flinte und Kurzwaffe

Für den Bundesverband Deutscher Berufsjäger ist der verantwortungsvolle Umgang mit Wildtieren in ihrem Lebensraum eine Selbstverständlichkeit und Verpflichtung zugleich. Jagd muss sich stets am Stand wildbiologischer, wissenschaftlicher und veterinärmedizinischer Erkenntnisse orientieren und dem Tierwohl Rechnung tragen.

Abschließend appelliert der BDB an Politik, Verbände, Industrie und Jägerschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd ist kein Selbstläufer. Die Zukunft der Jagd entscheidet sich nicht durch maximale Ausrüstung oder mediale Reichweite, sondern durch maximale Verantwortung, Qualität und Integrität in der jagdlichen Praxis. Für eine dauerhafte, gesellschaftliche Akzeptanz muss unsere gemeinsam praktizierte Jagd immer vorzeigbar sein!

Berufsjäger – Fachleute für Wild und Jagd

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger (BDB) vertritt die einzige Berufsgruppe, die sowohl das jahrhundertealte Handwerk der Jagd mit seinen vielfältigen Aufgaben als auch die Anforderungen modernen Wildtier- und Umweltmanagements in einer dreijährigen, staatlich anerkannten Ausbildung erlernt.
Mit Erfahrung, Fachwissen und Engagement ist der BDB, dem die große Mehrheit, der über 1100 in Deutschland tätigen Berufsjägerinnen und Berufsjäger angehört, einer der wichtigsten Ansprechpartner und Vermittler für professionelle Jagdausübung, Wildbewirtschaftung, Natur-, Tier- und Artenschutz sowie Lebensraumgestaltung für Wildtiere.
Berufsjägerinnen und Berufsjäger arbeiten in privaten, zunehmend auch in kommunalen oder staatlichen Jagd- und Forstverwaltungen, in Hegegemeinschaften, Schutzgebieten und Nationalparks, bei Verbänden sowie in der jagdlichen Aus- und Weiterbildung oder als jagdliche
Dienstleister.

Dorsten, 22.02.2026

gez.
Bernd Bahr (Vorsitzender)
Tatjana Puchmüller (stellv. Vorsitzende)
Alexander Polfers (stellv. Vorsitzender)
Sven Peschel (Schriftführer)
Jochen Schneider (Schatzmeister)

Die Stellungnahme als PDF gibt es hier.

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