Die Basttrophäe

Die Präparation von Jagdtrophäen sollte immer zum Ziel haben, das ursprüngliche Aussehen wieder herzustellen. Alles andere wäre ein Notbehelf. Zu Beginn der Bockjagdsaison sind die meisten Jährlinge noch im Bast. Meistens kann man mit der Erlegung solcher Böcke nicht abwarten, da sie möglicherweise für den Rest des Jahres kaum noch in Anblick kommen. In aller Regel sind das kleine Spießer. Die Präparation dieser Bastgehörne ist nicht sehr schwierig. Etwas anders verhält es sich, wenn man stärkere Trophäen präparieren will. Manch einer mag einwenden, dass diese Böcke erst nach dem Fegen erlegt werden. Es gibt jedoch Situationen, durch die auch solche Böcke verenden.


© Beate Siebern | Ein Loch in der Schädeldecke – vermutlich eine Forkelverletzung

Dieser Bock zeigte abnormales Verhalten. Er lief nur noch im Kreis herum und zeigte kein Fluchtverhalten mehr. Deswegen musste ein Fangschuss angetragen werden. Nach dem Abkochen der Trophäe wurde die Ursache für den Wahnsinn offensichtlich: Er hatte ein Loch in der Schädeldecke, vermutlich durch eine Forkelverletzung. So kam es dazu, dass ein starker Bastbock erlegt wurde. Auch im Straßenverkehr kommen Bastböcke um, deren Trophäe man gern erhalten möchte.

Zunächst geht man ganz konventionell vor: Es wird vom Schädel des Bockes die Decke abgezogen und der Schädelknochen gekappt, wie man es gewohnt ist. Für das Abkochen werden allerdings die Stangen mit zwei Lagen Aluminiumfolie umwickelt. Beim Kochen dürfen die Stangen nicht in das Wasser eintauchen! Mit einem Abkochstativ aus dem Fachhandel kann man das verhindern. Ich verwende dazu allerdings zwei Hilfsklammern aus dem Baumarkt. Es genügt, wenn das Wasser köchelt; es sollte nicht stark sprudeln. Die Kochzeit hängt vom Alter des Stückes ab. Ein Jährlingsschädel ist manchmal schon nach zwanzig Minuten gar. Der Schädel eines alten Bockes muss auch schon mal zwei Stunden kochen. Zwischendurch beobachtet man den Vorgang. Nachdem die Knochenhaut über dem Stirnbein aufgeplatzt ist, und sich darunter der blanke Knochen zeigt, ist der benötigte Garprozess erreicht.


© Beate Siebern | Die Baststangen dürfen nicht mit dem kochenden Wasser in Berührung kommen.

Reines Trocknen ist eine Form der Präparation. Das mag bei kleinen Knopfböckchen funktionieren. Aber bei Schädeln, die bereits Stangen tragen, ist diese Methode nicht ausreichend! Wie üblich entfernt man das Wildbret vom Schädel und legt das Gehörn zunächst in reinen Alkohol, vorzugsweise in Spiritus, ein. Der Alkohol entzieht den Baststangen die Feuchtigkeit. Baststangen sind besonders stark durchblutet. Vor Allem, wenn die Stangen sich noch leicht verbiegen lassen, ist der Blutanteil sehr hoch. Deswegen muss die Trophäe wenigstens eine Woche lang in dem Alkoholbad liegen. Man verwendet dazu ein fest verschließbares Gefäß, etwa einen Deckeleimer aus Kunststoff. Ansonsten würde die Flüssigkeit schnell verdunsten. Der Alkohol in dem Gefäß muss nach dem Gebrauch nicht gleich entsorgt werden. Zwar wird er nach jeder Anwendung ein wenig von seiner Reinheit einbüßen, erfüllt aber für mehrere Gehörne seinen Zweck. Der Alkoholgehalt sollte nicht unter 50 % absinken. Mit einer kleinen Probe des inzwischen Alkohol/Wasser – Gemisches kann man im Freien prüfen, ob es noch brennt. Falls es nicht mehr entzündbar ist, so ist es auch für die Haltbarmachung der Bastgehörne nicht mehr zu gebrauchen.

Früher hat man für die Präparation von Bastgehörnen gern Formalin benutzt. Die Verwendung von Formalin, für diesen Zweck, halte ich für problematisch. Formalin ist eine sehr bedenkliche Chemikalie, die dauerhafte Gesundheitsschäden verursachen kann, bereits bei der Handhabung. Selbst nach Jahren, an der Trophäenwand, strömt immer noch Formalingeruch aus.

Nach dem Alkoholbad wird die Trophäe unter fließendem Wasser abgespült. Im nächsten Arbeitsschritt wird der Schädel der Trophäe, wie üblich, gebleicht. Viele Jäger setzen die inzwischen trockene Trophäe dann auf ein Brettchen und vergessen, dass es außer ihnen auch noch andere Bewunderer für die Baststangen gibt. Manchmal, unter Umständen erst nach Jahren, richten die Larven der Kleidermotte oder irgendwelche Käfer und deren Larven Schaden an der Trophäe an: Sie fressen die Basthaut oder die Haare der Stangen.

Da hilft leider nur Chemie! Man kann die Stangen alle 6 Monate mit einem Antimottenspray behandeln, das hilft sicher gegen das Ungeziefer. Es gibt allerdings auch ein Mittel auf dem Markt, das dauerhaft gegen Schädlinge hilft und keinesfalls gesundheitsschädlich in den Räumen ist. Die Chemikalie “Eulan“, ein Biozid, wird von der Industrie vor Allem für die Behandlung von Wolle in Kleidungsstücken und Teppichen eingesetzt. Diese Behandlung bewirkt einen dauerhaften Schutz gegen Insektenfraß. Präparatoren, die mit diesem Mittel Federbälge und Haarbälge gegen Ungeziefer behandeln, berichten von einem Schutz über 50 Jahre und länger.


© Beate Siebern | “Kopfüber“ hängt man die Trophäe in das “Eulan-Bad“.

“Eulan“ gibt es nicht in der Apotheke, sondern im Fachhandel für Präparationsbedarf, vorzugsweise über das Internet. Gebinde mit einhundert Gramm sind für etwa 14,00 € zu haben. Es wird auch unter dem Namen: “Eulan SPA“ vertrieben. Ähnliche Chemikalien nennen sich “Eulan U 33“ oder “Eulan WA NEU“.

Um Bastgehörne zu behandeln, gibt man ein Gramm der Flüssigkeit auf einen Liter Wasser und lässt das Ganze eine Stunde lang einwirken. Nach dem Gebrauch sollte man den Rest des Eulan – Wassers nicht weiter verwenden, sondern in einen Kanister abfüllen und als Sondermüll an einer öffentlichen Annahmestelle entsorgen!


© Beate Siebern | Nach dem Bad tupft man die Baststangen mit Küchenpapier ab und trocknet sie anschließend mit Hilfe eines Föns und einer kleinen Bürste. So werden die Stangen wieder sehr ansehnlich. Wenn die Stangen nur an der Luft trocknen, so werden die Haare nicht flauschig, sondern kleben an den Gehörnstangen. 


© Beate Siebern | Damhirsch.

Bei Hirschgeweihen wird die Präparation von Baststangen schon etwas heikler. Allein schon deshalb, weil man mehr Flüssigkeit und größere Behälter benötigt. Außerdem kann es sein, dass Blut aus den Geweihstangen in den Schädelknochen sickert. Um das völlig zu vermeiden, sollte man die Geweihstangen vom Schädel abtrennen und nach der Präparation passgenau wieder aufsetzen. Ein Aufwand, den man möglicherweise lieber einem Profi überlässt. Ähnlich verhält es sich mit Perückengehörnen. Sie würden bei der oben beschriebenen Behandlung zwar haltbar werden, jedoch einiges von ihrem Volumen einbüßen. Es müsste ein Füllstoff injiziert werden. Auch dieses ist eher die Arbeit für einen Berufspräparator.

 

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